Haben die Kanadier wirklich das Eishockey erfunden?

Kanada sieht sich gerne als Mutterland des Eishockeys. Montréal gilt dabei als Ursprungsort des Eishockeys. Die Begründung dafür ist einfach. Hier fand im Victoria Skating Rink am 3. März 1875 das erste offizielle Eishockey Spiel aller Zeiten statt, und ca. 500 Zuschauer waren dabei. Studierende der lokalen McGill-Universität sollen dabei die treibende Kraft gewesen sein und neben dem Puck setzten sie zum ersten Mal Torhüter und Schiedsrichter ein und verliehen dem Spiel dadurch mehr Professionalität. Auch ein festes Regelwerk, Trikots und Ausrüstung wurden festgeschrieben. Obwohl viele dieser Angaben sicher richtig sind, wurde das Eishockey jedoch nicht in Montréal geboren. Seine Geschichte ist viel länger, und seine Vorläufer wurden in Europa bereits gespielt, als Nordamerika noch nicht bekannt war.

Jahrhunderte altes Ballspiel auf Eis

Das Eishockey ist eine Weiterentwicklung der Ballspiele auf Eis, welche nachweislich in der Renaissance erstmals Europa gespielt wurden. Ein Gemälde des niederländischen Landschaftsmalers Jan van Goyen liefert hier ein eindrucksvolles Zeugnis. Tatsächlich wurden solche Spiele jedoch auch schon deutlich früher gespielt. Doch auch die Ureinwohner des nordamerikanischen Kontinents haben zu dieser Zeit bereits Ballspiele gespielt, in den nördlichen Regionen des Kontinents offensichtlich auch auf Eis. Obwohl sich die genaue Geschichte des Eishockeys nicht genau nachvollziehen lässt, ist es unstrittig, dass sich dieses Spiel aus einer Reihe von Vorläufern entwickelt hat. Obwohl Kanada somit nicht das Mutterland des Eishockey ist, kann es immerhin für sich verbuchen, dass das Spiel dort erstmal nach speziellen Eishockey-Regeln vor Publikum ausgetragen wurde. Außerdem wurde das Eishockey in Kanada stetig weiterentwickelt und erfährt bis heute dort eine Aufmerksamkeit, die dem Sport in anderen Teilen der Welt verwehrt blieb.

Der Ball macht den Hauptunterschied

Die zahlreichen Vorläufer des Eishockeys wurden mit einem Ball gespielt. Dies führte immer wieder zu Problemen auf dem Eis. Der zuletzt verwendete Gummiball blieb nicht auf der Eisfläche, sondern hüpfte immer wieder über die Begrenzungen des Spielfeldes und konnte dabei sowohl Zuschauer als auch Spieler verletzen. William Fleet Robertson erfand dann schließlich den Puck, indem er von einem solchen Gummiball die Ober- und Unterseite einfach abschnitt und so dafür sorgte, dass das Spielgerät nun auf der Eisfläche blieb. Später entwickelte sich daraus die Form des Pucks, die heute noch verwendet wird.

Ausrüstung beim Eishockey

Bei kaum einer anderen Sportart die Ausrüstung der Spieler so wichtig, wie beim Eishockey. Heute gehören zahlreiche Teile einer Schutzkleidung, ein besonderer Schuh und ein Schutzhelm zur Standardausrüstung der Spieler. Die heutige Ausrüstung der Spieler hat sich allerdings erst in den letzten 150 Jahren entwickelt und wurde erst durch technische Entwicklungen und die Verwendung neuartiger Materialien ermöglicht. Obwohl sich beispielsweise Schläger und Schlittschuhe beim Eishockey in dieser Zeit optisch kaum verändert haben, sind sie heute aus deutlich leistungsfähigeren Materialien hergestellt. Auch bei der Produktion und Weiterentwicklung der Eishockey-Ausrüstung ist Kanada bis heute führend und unterstreicht so seine besondere Bindung zum Eishockey.

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